September 18, 2017

Samt: Herstellung und Pflege

WAS IST SAMT UND WIE WIRD ER HERGESTELLT: Mit Samt wird ein Florgewebe bezeichnet, dessen Flor weniger als 3 mm hoch ist. Samt kann aus vielen Natur- und Chemiefasern hergestellt werden. Je nach verarbeitetem Ausgangsmaterial, Dichte und Pollänge sind Samtstoffe sehr fein, weich und fließend oder robuster und fester.

Das charakteristische an Samt ist seine Haardecke aus senkrecht stehenden Fasern, der sogenannte Flor, in der Fachsprache auch Pol genannt. Er bewirkt die gute Absorbtion von Schall und Licht. Der Flor wird durch ein Fadensystem aus sogenannten Polfäden gebildet, die fest in das Grundgewebe aus Kette und Schuss eingebunden sind und derart aufgeschnitten werden, dass sie senkrecht zu ihnen verlaufen. Je nach dem Eintrag des Polfadensystems unterscheidet man Schusssamt und Kettsamt (Bild 2). Beim Kettsamt (auch „echter“ Samt, Velours oder Epinglé genannt) wird die Flordecke durch ein zusätzliches Kettsystem gebildet. Entweder wird die Polkette beim Weben über feine Metallstäbe (Ruten) in Schlingen gelegt, die man anschließend aufschneiden kann (Rutensamt), oder auf einer Webmaschine gleich zwei übereinander liegende Stoffbahnen gewebt, und die Polfäden laufen zwischen den beiden Geweben hin und her (Bilder 3-4). Eine mittlaufende Schneidewalze schneidet die beiden Stofflagen in der Mitte auseinander. Der Abstand der beiden Gewebe bestimmt die Florhöhe. Diese wirtschaftlich vorrangige Technik nennt man Doppelsamttechnik. Beispiele aus unserer Kollektion von Samten (Bild 5), die in dieser Technik hergestellt wurden sind ALLEGRO, APOLLODOR, VISCONTE II, VERNISSAGE und VENTURA. Unser edler Streifensamt VELVET PIXEL ist hingegen Beispiel für Rutensamte .

Unabhängig ob es sich um einen Kett- oder Schussamt handelt, kennt man die V, die W und die Doppel-W Noppe, die durch die Abbildung erklärt sind (Bild 6). Im Handel werden Samte auch häufig als Velvet (Schusssamtgewebe) oder als Velours (Kettsamtgewebe) bezeichnet.

Durch den Flor bedingt, hat Samt häufig eine Richtung, die bewirkt, dass der Stoff mit dem Strich oder gegen den Strich unterschiedlich aussieht und sich anders anfühlt. Die Strichrichtung ist daher bei der Verarbeitung zu beachten.

DER RICHTIGE UMGANG MIT SAMTEN: Rollen Sie einen Samt immer mit dem Flor nach innen und in der Florrichtung. Samt sollte nicht liegend aufbewahrt werden. Im Handel wickelt man ihn auf hängende Rollen oder Rahmen. Man kann den Samt auch an den Webkanten in zusammengelegtem Zustand aufhängen, z.B. auf einem Kleiderbügel. Es gibt Samte mit senkrechtem Flor und Samte bei denen der Flor eine Richtung einen sogenannten „Strich“ hat. Bei Samten mit einem Strich beziehen sich die Verarbeitungsempfehlungen immer auf die Florrichtung / den Strich. Die Strichrichtung erkennen Sie folgendermaßen: Streichen Sie mit der Hand hin und her über die Haardecke des Samtes. Die Richtung, die sich weicher anfühlt, zeigt die Florrichtung, also den Strich an.

PFLEGE VON SAMT: Die meisten unserer Samte sind chemisch zu reinigen. Einige, von uns speziell gekennzeichnete Artikel können sanft bei 30 Grad maschinengewaschen werden. Seien sie sehr vorsichtig, wenn Sie einen Trockner benutzen. Besser ist es, den Vorhang natürlich und möglichst faltenfrei an der Luft zu trocknen.

PFLEGE VON POLSTERMÖBELN: -Unterhaltspflege - Samte sollten regelmäßig durch Absaugen mit dem Staubsauger mit einer speziellen Polsterdüse (weiche Borsten) von Staub und losem Schmutz befreit werden. Die Polsterdüse darf keinen Grat oder scharfe Kanten aufweisen, da sonst der Möbelstoff beschädigt werden könnte. Zudem bürsten Sie ihr Samtmöbel bitte regelmäßig mit einer weichen Bürste (wie sie zum Beispiel für Kleider erhältlich ist) in Strichrichtung ab. Zusätzlich können Sie ihr Möbel bei Bedarf mit einem feuchten Leder in Strichrichtung (leichter Druck) abreiben bzw. die Reinigung durch milden, pflegenden Reinigungsschaum verstärken. (Achtung, Vorprüfung!)

- Grundreinigung - Die Grundreinigung muss einem Experten auf dem Gebiet der Polsterreinigung überlassen werden. Je nach Belastung der das Möbel ausgesetzt ist und der Farbe des Samtes, empfehlen wir eine fachgerechte Grundreinigung alle 4-5 Jahre.

- Fleckenentfernung - Sie sollten zur Fleckentfernung ein Fachunternehmen beauftragen. Wollen Sie es dennoch selbst versuchen, so sollten Sie folgendermaßen vorgehen:

- Vorprüfung von Reinigungsmittel - Zur Auswahl des geeigneten Reinigungsmittels ist eine Vorprüfung erforderlich. Es sollte darauf geachtet werden, dass pH-neutrale Mittel zum Einsatz kommen. Saure Reiniger schädigen Baumwoll- und Zellulosestoffe, alkalische Reiniger eignen sich nicht für Wollstoffe. Für eine effektive Fleckentfernung und Reinigung von Möbeln ist der Einsatz von speziellen Polsterreinigern empfehlenswert.

In jedem Fall ist ein vollständiges Auswaschen des Reinigers wichtig, da sowohl Spezialmittel, als auch Seifen oder Neutralreiniger Rückstande hinterlassen, die zu einer schnellen Wiederanschmutzung führen können.

Man kann die Mittel auf ihre Rückstandsbildung prüfen, indem man sie in der vorgeschriebenen Verdünnung in einfache Schalen gibt und so eintrocknen lässt. Ist der Rückstand klebrig, ist das Mittel ungeeignet. Wenn der Rückstand spröde ist, wird er leicht absaugbar sein.

- Wichtig - Erst Staub entfernen, dann Farbechtheit und Oberseitenveränderungen des Möbelstoffes an verdeckter Stelle durch Reiben mit einem weißen, weichen, sauberen Tuch, das mit Reinigungs- bzw. Fleckentfernungsmitteln getränkt ist, prüfen. Diese Prüfung muss auch bei naturfarbenen Möbelstoffen durchgeführt werden. Nach der Trocknung beurteilen!

Flecken in textilen Möbelstoffen lassen sich am leichtesten unmittelbar nach dem Entstehen beseitigen. Vorsicht bei Möbelstoffen aus Baumwolle, Leinen, Seide und Viskose: Bitte ein Reinigungsunternehmen hinzuziehen!

Feuchte Flecken mit saugfähigem Tuch oder Papier abtupfen. Rückstände mit einem speziellen Polsterreiniger (je nach Fleckenart) in der vorgeschriebenen Verdünnung nachbehandeln. Reinigungsmittel nie direkt auf den Möbelstoff bringen. Das Mittel auf ein weißes Tuch auftragen. Mit diesem Tuch den Fleck vom Rand zur Mitte hin aufnehmen. Anschließend mit feuchtem Tuch die Rückstände ausreiben und mit einem trockenen Tuch nachreiben (Trockenränder).

Vorsicht! Durch Reiben kann sich die Oberseite des Möbelstoffes verändern. Die letzte Behandlung immer in Strichrichtung durchführen. In jedem Fall für sofortige Trocknung der Polstermöbel sorgen.

- Druckstellen und Sitzspiegel - In manchen Fällen können auf Samten durch den Einfluss von Druck, Wärme und Feuchtigkeit sowie in Abhängigkeit von der Art der verwendeten Unterpolsterung mehr oder weniger starke Druckstellen entstehen. Diese treten als fleckenhafte Veränderungen in Erscheinung und werden als Sitzspiegel oder auch als Gebrauchslüster bezeichnet. Es handelt sich hierbei um eine warentypische Eigenschaft, nicht um einen Qualitätsmangel. Erfahrungsgemäß lassen sich Sitzspiegel auch durch geeignete Pflegemaßnahmen, wie z.B. Dämpfen und Bürsten, nicht immer beseitigen.

Ein gewisser Sitzspiegel ist also bei allen Florgeweben warentypisch. Vermindern können Sie ihn am besten durch eine regelmäßige Unterhaltspflege sowie das gelegentliche Bürsten des Flors in alle Richtungen.

Bei Naturfasern (NICHT bei Trevira®- samten) kann sich der Flor durch Dämpfen ohne Druck und ohne Tropfen oder durch Auflegen eines feuchten (nicht nassen) Tuchs über Nacht wieder aufstellen. Wichtig - das Möbel darf erst wieder benutzt werden, wenn der Bezug vollständig getrocknet ist, (mindestens 24 Stunden). Nach dem Trocknen sanft aufbürsten. Dabei bitte auf weiche Borsten achten (z.B. Kleiderbürste). Für einen Seidensamt wie beispielsweise Prince, empfiehlt sich diese Methode nicht.

Achten Sie bitte darauf, keine Wärmflaschen, Heizdecken oder ähnliches auf den Stoff zu legen. Wärme in Verbindung mit Druck kann die Stoffoberfläche permanent verändern.